Martin Perkmann sog: Zoag di…

Der sympatische Südtirol 1 Moderator, Sänger und Musiker lud uns zu sich in sein kleines Bozner Tonstudio ein und gab uns dieses sehr gefühlvolle und offene Interview. Er lässt euch an seinen Bühnenerfahrungen teilhaben und gibt euch als Starmania-Teilnehmer einen Einblick in die Welt der Castingshows.

Lest afoch amol!

KVW Jugend: Wie war deine erste Erfahrung auf der Bühne?

Martin: An die kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Meine Mutter hat erzählt, dass ich mit drei Jahren schon mit einem Mikrofon in der Hand auf der Bühne gestanden habe. Ich hatte mit 15 Jahre meine erste Band mit ein paar Kollegen. Die ersten Male spielen wir noch auf keiner Bühnen aber zum Schluss sind es welche geworden. Bei mir war es ein laufender, fließender Prozess. Ich glaub das war auch ganz gut, weil wenn man mit 15 das erste Mal auf der Bühne steht, dann ist das sicher nicht einfach.
Bei uns war das früher vielleicht noch etwas anderes. Da hat man sich einfach irgendwo hin gestellt und gespielt und das hat dann vielleicht auch keiner mitbekommen (lacht). Bei der Show steht man vor Publikum, das einem auch zuhört. Wenn man mit 15 oder 16 Jahren das erste Mal auf die Bühne geht, dann hat man sicher eine gewisse Hemmschwelle, das kann ich verstehen. Aber es zahlt sich aus.

KVW Jugend: Warum sollten deiner Meinung nach die jungen südtiroler Talente bei „Zoag di“ mitmachen?

Martin: Es lohnt sich für das „Gefühl danach“ dabei zu sein. Logisch hat man vorher Lampenfieber und das geht auch nicht so schnell vorbei auch wenn man meint, dass es das irgendwann tut. Aber man geht ja für etwas auf die Bühne und holt sich danach etwas ab. Es ist ja nicht so, dass man auf die Bühne geht und sich bloßstellt oder danach keiner klatscht. Wenn man auf die Bühne geht, dann zeigt man etwas und das respektieren die Leute auch. Und sich das abzuholen, was man danach bekommt ist ein Wahnsinns Gefühl. Bei mir ist es immer noch so. Wenn ich von großen Auftritten von der Bühne runter komme, bleibt mir eine halbe Stunde später dieser Adrenalinstoß noch vorhanden. Und das ist es! Das ist cool! Für dieses Gefühl tut man es. Man redet danach viel mehr und ist recht aufgeregt. Das ist etwas Positives und das ist ein Gefühl, das man sonst nicht in der Form bekommt.

KVW Jugend: Das sind schöne Gedanken. Bei uns können ja Talente aus unterschiedlichen Bereichen mitmachen, aber nehmen wir mal an es gewinnt nun eine Sängerin bzw. Sänger die 1.000 Euro. Welche Möglichkeiten stehen da offen?

Martin: Das ist schwierig zu sagen. Was ich in der Musikbranche in den letzten 2 Jahren gesehen habe, sind die Südtiroler Künstler und Musiker wieder hip und cool geworden. Mit Aktionen wie „Zoag di“ gebt ihr ihnen eine Plattform, eine Bühne und ein Publikum. Vor fünf oder sechs Jahren war das noch anders. Daher sind die Möglichkeiten heute gut. Wenn man ein Lied aufnehmen will und man gewinnt dann 1.000 Euro, dann kann man ein sehr gutes Lied produzieren. Man knüpft Kontakte durch so eine Veranstaltung und man lernt Leute kennen. Vielleicht ist jemand da, der dann sagt: „Ich hab ein Studio, wollt ihr nicht was mit mir machen“.

Aber es nehmen ja nicht nur Sängerinnen und Sänger teil. Auch für alle anderen Talente ist das Schöne zu aller erst die Erfahrung dabei zu sein. Man ist einmal auf der Bühne und bekommt Feedback. Vielleicht ist eine erfahrene Person anwesend, die einem Ratschläge geben kann. Vielleicht gibt es auch jemanden der sagt „Ich hab einen Auftritt für dich“. Wichtig ist, sich zu zeigen, weil von nichts kommt nichts. Zusätzlich bekommt man eine Referenz, wenn man mitmacht. Man kann sich filmen und herzeigen und sagen „Da war ich dabei“. Wenn man was tut, dann bekommt man auch leichter einen Folgeauftrag. Es hängt natürlich auch vom Menschen selber ab, ob etwas weitergeht oder nicht. Wenn man etwas will, dann geht das auch. Wenn man sich nicht damit infizieren kann oder nicht viel weiter bringen will, dann wird auch nicht viel passieren. Ich hab oft die Erfahrung gemacht, dass ich Musiker und Bands, die das wirklich weiter bringen wollten, das auch geschafft haben. Irgendetwas braucht es, davon hängt es ab. Möglichkeiten wie „Zoag di“ können auch ein Startschuss sein, sich selber kennen zu lernen und zu schauen, ob mir das gefällt und die Begeisterung zu wecken.

KVW Jugend: Starmania – das ist nun schon lange her, das du da mitgemacht hast! Wir haben da ja schon viel darüber gelesen, dass es für die eine tolle Erfahrung war…

Martin: (lacht) Ja, Starmania gehört einfach zu mir dazu. Starmania kann man zwar von der Größe her nicht mit „Zoag di“ vergleichen, aber von der Erfahrung her ist es das gleiche. Die Erfahrung bei Starmania war schon viel wert. In den 10 Tagen, in denen ich dabei war, habe ich viel gesehen und mitgenommen. Ich baue heute noch auf die Kontakte und auf die Erfahrungen auf der Bühne, im Studio oder mit Leuten, zu denen man normalerweise keinen Zugang hat. Man sieht viel und lernt sich selber ganz gut kennen.

KVW Jugend: Du bist ja frühzeitig aus Starmania ausgestiegen, weil dir unter anderem der Rummel um deine Person zu viel war. War dir der Medienrummel wirklich zu groß?

Martin: Der Medienrummel vielleicht nicht, weil es waren einfach andere Zeiten. Es war damals die erste Staffel und die erste Folge, also alles das erste Mal. Facebook und Youtube hat es damals noch nicht gegeben. Es war einfach anderes und das war auch so ein bisschen das Problem. Ich bin dort hingegangen, weil ein Kollege gesagt hat, dass es cool ist und ich mich anmelden soll. Daher hab ich mich beworben, aber ich dachte, dass ich sowieso nicht hineinkomme und dass es nichts nützen wird. Nun bin ich doch diesen Schritt in diese Welt hineingegangen und das war einfach extrem. Zuerst war die Normalität und plötzlich war ich Mitten im Showbusiness. Auf einmal hatte ich in der Show diese Grenze überschritten und ich war drinnen (lacht). Medial gab es Fernsehen, Radio und drei oder vier Zeitungen, das war nicht viel. Ein Onlineportal hat es zwar auch schon gegeben, aber das war noch nicht so präsent.

Man war da draußen im ORF Studio und in Wien in dieser Welt und auf einmal hat mich auf der Maria-Hilfer-Straße jeder gekannt. Am Tag nach der Show hat sich alles geändert. Zwei Tage davor kannte mich noch niemand. Das ist dann auch so eine Erfahrung, die einem bleibt. Alle haben gesagt, du bist so cool, du bist so gut und du gewinnst es, wenn du so weiter machst. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht. Die Tür zurück in die Normalität war zu, nachdem ich durch sie gegangen war. Das war dann das, was mir zu viel war. Ich will die Türe hinter mir dann auch wieder aufmachen können und wissen, dass ich wieder zurückgehen kann.

KVW Jugend: Das war eine mutige Entscheidung

Martin: Ich glaube die Kids verstehen das heutzutage auch gar nicht mehr so, weil sich die Welt seit dem sehr verändert hat. Vor allem die Medien mit den Sozialnetzwerken. Du kannst heute mit relative wenig Mitteln und einfachem Aufwand etwas machen. Du kannst einen Youtube Kanal machen und Videos raufstellen und du bekommst gleich Feedback. Was wir da früher gekämpft haben, dass uns einmal fünf Leute zuhören. Wenn du heutzutage auf die Bühne gehst, bekommst du gleich Feedback.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.